Musikleben in Darmstadt, in: NZfM 17 (1842/2), Nr. 37, 4. November 1842, S. 152-153
Nach dreimonatlichen Ferien wurde unser Hoftheater wieder eröffnet mit der Oper „Casanova“ von Lortzing, Sonntag, den 11. Sept. [1841] –
Casanova enthält viele komische Situationen, die Handlung nimmt jedoch von Act zu Act an Interesse ab. Die Musik ist freundlich, fließend und lebendig.
Was die Aufführung der Oper von Seiten unserer Sänger betrifft, so leistete Frau von Poissl-Gned als Bettina am meisten. Hr. Cramolini, als Casanova, führte diesmal mit weniger Glück, als wir gewohnt sind, seine Rolle durch. Der stets betrunkene Kerkermeister wurde nicht zum besten und feinsten von Hrn. Egner, als Gast vicarirend für unsern Baß-Buffo, Hrn. Birnstill, gegeben. Ebenso schien uns die Rolle des Gambetto (Hr. von Poißl) übertrieben und vergriffen. Die Ensemblestücke und die Ouverture wurden sämmtlich sehr präcis und wirkungsvoll ausgeführt.
Die Oper gefiel nicht; wir hoffen jedoch, daß wenn der Dialog etwas lebhafter geht, scenische Verstöße, wie sie im 3ten Act vorfielen, vermieden und die Rollen von Gambetto und Rocco weniger en caricature gegeben werden, die Oper bei Wiederholung Eingang finden wird – da sie es nicht weniger als „Czaar und Zimmermann“ verdient. – [...]